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Leder härten

von Hildolfr Fjoreson

Für das Härten nehme ich Wasser anstelle von Wachs. Wasserhärtung ist meineswissens eher authentisch als Bienenwachs, und auch logischer: Durch Wasser wird das Leder zäh und gleichzeitig hart, durch Wachs würde es eher steif werden und sich besser schneiden lassen. Zudem ists mit Wasser billiger und mit etwas Erfahrung auch einfacher. DIe Zeiten und Temperaturen unten sind nur ungefähr angegeben - das liegt daran, dass es je nach Leder und je nachdem von welchem Teil des Tieres das Leder kommt unterschiedlich lange dauert, bis es fertig ist. Ihr solltet also vorher auf jeden Fall mit kleineren Stückchen experimentieren!

Durch den Erhitzungsprozess verändert sich das Eiweiss im Leder chemisch und wird zu einer kunststoffartigen Struktur (hab ich mir sagen lassen).

Ihr braucht:
* unbehandeltes Gürtel- oder Sohlenleder, ca. 4 - 5 mm dick
* großen Kochtopf, am besten elektrisch beheizbaren Marmeladenkochtopf
* Thermometer bis 100 Grad
* Lederfarbe (am besten von Lederkram.de)
* Cutter und evtl. Laubsäge
* Bienenwachs

Das Leder ist ursprünglich etwa 4 - 5 mm dick, nimmt aber durch den Härtungsprozess um etwa 1/3 an Dicke zu.

Das Leder schrumpft außerdem auf bis zu 2/3 ursprüngliche Größe - 1/4 bis 1/5 Schrumpfung ist aber eher normal. Also vorher grob und mit viel Randzugabe ausschneiden vor dem Härten.

Leder gut (mehrere Stunden) in lauwarmem Wasser einweichen. Das bewirkt später eine gleichmäßigere Härtung und ein schöneres Ergebnis.

Wasser in einem genügend großen Topf auf 80, maximal 90 Grad erhitzen. Mit Thermometer kontrollieren! Zu heisses Wasser bewirkt, dass das Leder nicht durchhärtet wird sondern nur braun wird und Blasen wirft.

Jetzt das Leder mit einer Zange (Vorsicht, gibt sehr leicht Abdrücke, in meiner einen Armschiene sieht man die Grillzange...) ins Wasser legen. Nach 30 - 90 Sekunden wird das Leder plötzlich dunkel und fängt an, sich am Rand zu kräuseln und einzurollen. Jetzt sollte man es herausnehmen.

Zu lange im Wasser oder zu heisses Wasser bewirkt, dass das Leder sehr dunkel und hart wird, teils sogar hässliche, beulenartige Blasen wirft oder brüchig wird. Es lohnt sich aber sehr, da zu experimentieren.

Mein bestes Ergebnis war Leder von 6 mm Stärke, so hart wie Holz und gerade noch so dehnbar, dass man die Schiene anlegen konnte.

Beim Herausnehmen unbedingt darauf achten, keine Abdrücke im Leder zu hinterlassen - die gehen nicht wieder raus! Das Leder ist jetzt äußerst weich und dehnbar - und ziemlich heiss, also Vorsicht!

Falls ihr Schupen für eine Rüstung herstellen wollt, nehmt zwei flache Bretter, legt das Leder dazwischen und beschwert es gut. Dann abwarten, bis es komplett getrocknet ist und die Schuppen mit einer Säge aussägen.

Für Armschienen arbeitet man am besten zu zweit: Derjenige, dem die Schiene gehören soll, wickelt sich ein Handtuch in einer Schicht um den Arm und darüber eine Plastiktüte. Ein anderer holt das Leder aus dem Topf und passt es an. Vorsicht, dass ihr euch keine Verbrühungen holt! Falls es jedoch klappt, sitzt die Schiene danach wie angegossen! Am Arm trocknen lassen, bis sie steif genug ist, um sie abzunehmen.

Jetzt würde ich euch empfehlen, das Leder erstmal in die endgültige Forum zu bringen - zurechtschneiden, Kanten abschrägen etc.

Anschließend die Lederfarbe auftragen.

Schließlich das Leder mit im Wasserbad erhitztem Bienenwachs einstreichen und einziehen lassen. Ansonsten wird es nämlich nach einiger Zeit durch Feuchtigkeitseinwirkung trotzdem wieder weicher, und das wollen wir ja nicht...

So, fertig :-)
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