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2A. Die Götter der Rus


Die Götter der Rus

Waren am Anfang der Rus (Mitte bis spätes 9. Jhrd) noch die alten Götter der Skandinavier die maßgeblichen Gottheiten, wurden sie doch immer mehr vermischt mit den slawischen Göttern. Man spricht davon das die Varaegischen Fürsten, bereits nach 3 bis 4 Generationen vollkommen slawisiert wurden.
Hier möchte ich nun die Gottheiten des slawischen Pantheons vorstellen. Ich beschränke mich dabei aber auf die Ausprägung im ostslawischen Raum. Dies ist nötig, da sich die Namen und auch die Zuständigkeiten der Götter im slawischen, will heißen im west- und ostslawischen teils deutlich unterscheiden.

Die slawische Mythologie beschreibt die Mythologie der Slawen, also die Mythen und die religiösen Vorstellungen der slawischen Völker vor ihrer Christianisierung und ihr Fortdauern in Form „heidnischer“ Bräuche in christlicher Zeit. Überliefert ist ein polytheistisches System mit einer Vielzahl von Gottheiten, Naturgeistern und Naturkulten, das Übereinstimmungen mit der ursprünglichen indogermanischen Religion aufweist und Einflüsse benachbarter Kulturen erkennen lässt.
Die Vorstellung der Welt ist personifiziert. Der Himmel, die Erde und die Himmelskörper werden als übernatürliche Wesen vorgestellt. Der Erde ist die Göttin Mokosch, dem Himmel der Gott Svarog zugeordnet. Unter den Himmelskörpern genoss neben Sonne und Mond besonders die Venus kultische Verehrung.

Die im folgenden vorgestellten Gottheiten, sind eben jene Hauptgötter der Ostslawen, denen in Kiev Bildnisse geschaffen wurden:

Götter:


1.) Chors

Chors (auch Chers, Chrs, Churs oder Chros) ist ein slawischer Gott, der mutmaßlich den Mond verkörperte.

Der einzige konkretere Anhaltspunkt findet sich im Igorlied, in dem Fürst Wseslaw Brjatschislawitsch von Polazk (1044 bis 1101) die Fähigkeit zugeschrieben wird, sich in einen Werwolf zu verwandeln. Er habe tagsüber die Stadt verwaltet, des nachts sei er aber in Wolfsgestalt von Kiew nach Tmutorokan gelaufen und habe dabei „dem großen Chrs“ den Weg gekreuzt


2.) Svarožic


Svarožic (ausgesprochen ßwaroschitsch) ist ein slawischer Gott, der in verschiedenen Gegenden unter verschiedenen Namen bekannt war. Bei den Ost- und Südslawen trug er den Namen Dažbog oder Dabog.

Der Name Svarožic kann als „Sohn des Svarog“, des Himmelsgottes und Gottvaters des slawischen Pantheons, gedeutet werden. Der Sohn des Svarog galt in der frühen Zeit als Gott des irdischen Feuers und des Lichts, also als Sonnengott und Lebensspender. Auf diese gebende Funktion weist auch die Silbe dažd („gib“) seines anderen Namens Dažbog hin. Er wurde daher besonders im landwirtschaftlichen Bereich verehrt, anlässlich von Sonnenwenden.

Im Osten des slawischen Gebietes wurde die Gottheit im Rahmen eines Feuerkultes verehrt. Noch im 12. Jahrhundert nennt das Igorlied das ganze russische Volk und seinen Fürsten Oleg die „Enkel Dažbogs“.

Mit der Christianisierung wurde Dabog mit dem Teufel gleichgesetzt. Die gnostische christliche Gruppe der Bogomilen stellt ihn als „Zar auf Erden“, also als Teufel, dem „Gott im Himmel“ gegenüber.

3.) Mokosch


Mokosch oder Mokuscha ist eine slawische Göttin. Sie ist die einzige bekannte weibliche Gottheit des slawischen Pantheons und zuständig für Fruchtbarkeit, Weiblichkeit und den Schutz der Schafe und des Spinnens und Webens. Ihr Name ist von dem Wortstamm mok- (feucht) abgeleitet. Sie symbolisiert demnach die „feuchte Mutter Erde“.

In den schriftlichen Quellen wird sie meist zusammen mit Wassergeistern erwähnt, den Vilen, später den Rusalken. Ein russisches Traktat bringt die Göttin in Zusammenhang mit sexuellen Riten.

Nach der Christianisierung wurde der Schutz der Felder und des Viehs, der Mokosch oblag, der Heiligen Paraskeva übertragen. Ihr waren im apokryphen Kalender zwölf Freitage im Jahr geweiht, was die Bedeutung dieses Kultes verdeutlicht. Doch noch im 16. Jahrhundert wurden Frauen bei der Beichte gefragt, ob sie zu Mokosch gingen, und bis zum 19. Jahrhundert hielt sich in der nordrussischen und ukrainischen Folklore die Vorstellung eines weiblichen Dämons namens Mokusch, mit großem Kopf und langen Händen, der nachts in die Bauernhäuser kam und das Werk spann, das offen herumlag, wobei allerdings die Gefahr bestand, dass sie jemanden umspann. Ihr Kommen kündigte sich durch das Geräusch einer Spindel an, der Geist selbst war unsichtbar.


4.) Perun

Perun ist der oberste Gott der slawischen Mythologie. Er ist der Gott des Gewitters, des Donners und der Blitze. Zu seinen Symbolen zählen die Schwertlilie, die Axt und die Eiche.

Sein Name leitet sich aus der Wurzel per- (schlagen) und der verstärkenden Endung -un ab und bedeutet demnach „Der stark Schlagende“.

Die Nestorchronik nennt Perun als göttlichen Bürgen für die Verträge der Kiewer Rus mit dem Byzantinischen Reich in den Jahren 907, 912, 945 und 971.


5.) Simargl

Simargl ist ein Gott der slawischen Mythologie. Laut dem antiheidnischen Traktat Slovo nekojego christoljubca handelt es sich dagegen um zwei Götter mit den Namen Sim und Rgl.

Seine Zuständigkeit ist unbekannt. Eine Deutung leitet seinen Namen aus den slawischen Wörtern semja (Familie) und Rž (Roggen) ab und schreibt ihm die Funktion eines Beschützer des Viehs und der Ernte zu.

Auf silbernen Armringen aus Kiew des 11. bis 13. Jahrhunderts, die Simargl darstellen sollen, hatte er das Aussehen eines Hundes mit dem Kopf und den Flügeln eines Greifs.


6.) Stribog

Stribog ist ein slawischer Gott mit unklarer Zuständigkeit, der meist als Windgottheit gedeutet wird.
Sein Name ist in der Nestorchronik, in einer russischen Übersetzung des Johannes Chrysostomos aus dem 11. Jahrhundert sowie im Igorlied überliefert, in dem die Winde, die dem Heer Igors entgegenwehen und vom Meer aus Pfeile aussenden, als „Enkel Stribogs“ bezeichnet werden.


7.) Svarog

Svarog ist ein slawischer Gott des Himmels. Er ist der himmlische Gott-Vater, Schöpfer von Erde, Sonne und Feuer und Vater des Sonnen- und Fruchtbarkeitsgottes Svarožic. Sein Name stammt aus der indogermanischen Wurzel svar (Licht, strahlender Himmel).

Er soll die Monogamie eingeführt haben, die Strafe bei Zuwiderhandlungen war der Tod im Feuerofen. Sein Sohn und Nachfolger Svarozic hütete dieses Gesetz.


8.) Veles

Veles oder Volos ist einer der Hauptgötter in der slawischen Mythologie. Er ist ursprünglich ein Gott der Fruchtbarkeit und der Magie, Beschützer des Viehs und der Ernte und Herrscher über das Totenreich. Von dieser Grundfunktion leitet sich seine Zuständigkeit für den wirtschaftlichen Bereich, das Bewahren des Reichtums und das Sicherstellen der Rechtsordnung ab.

Als Gott der Erde ist Veles der Gegenpol zum Donnergott Perun.
Veles wird vor allem in russischen Quellen genannt und trägt dort den Beinamen skotij bog (Gott des Viehs).

Im 10. Jahrhundert wurde Veles als Gott der Rechtsordnung neben Perun auch beim Abschluss der russischen Verträge mit dem byzantinischen Reich angerufen.

Nach der Christianisierung wurde Veles zum Teufel umgedeutet, sein Name taucht in dieser Funktion in Sprichwörtern auf.


Dies sind im wesentlichen die Hauptgötter der Ostslawen, so wie es die Überlieferungen hergeben. Dies alles gilt bis etwa zum Jahr 988 n.Ch. welches als Jahr der offiziellen Christanisierung der Ostslawen / Kiever Rus gilt.
Danach war die offizielle Staatsreligion, die des Orthodoxen Christentums. Diese möchte ich hier aber nicht auch noch genau erläutern und bitte darum den interessierten Leser, sich im Internet selbstständig zu informieren.
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